Was verbirgt sich nun hinter dem Seminar „Positives Pferdetraining“ von Marlitt Wendt? Um dies schonmal vorweg zu nehmen, sind es zwei intensive und lehrreiche Tage, an denen ich mein Pferd besser verstehen- und kennengelernt habe und mir fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelt wurden.

Aber nun gehe ich auch noch ins Detail, zunächt die Rahmenbedingungen:  Die beiden Seminartage gingen jeweils von 10 Uhr bis ca 18 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause, die wir alle zusammen verbracht haben. Es haben sechs Pferde nebst Besitzern teilgenommen sowie eine Handvoll Zuschauer. Die Tage wurden in sich abwechselnde Theorie- und Praxiseinheiten aufgeteilt. Für die Praxiseinheiten wurden 3 Gruppen á 2 Pferde gebildet. Es waren stets nur 2 Pferde in der Halle und alle anderen konnten zusehen und wurden in die Erklärungen mit einbezogen. Durch diese kleinen Grüppchen waren diese Einheiten für die aktiven Teilnehmer sehr intensiv, da Marlitt sehr genau auf die Beiden achten konnte. Ich fand es sehr gut, nicht die ganze Zeit aktiv mit dem Pferd zu üben, da sich durch das Zuschauen auch viele Dinge erklärten.

Jetzt zum thematischen Inhalt dieser Veranstaltung. In diesem Seminar wurde mir gezeigt, dass es neben den herkömmlichen Trainingsmethoden noch eine andere Möglichkeit gibt. Na gut, was meine ich denn mit der herkömmlichen Trainingsmethode? Egal ob klassisch,  oder western geritten wird oder Bodenarbeit durchgeführt wird, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, wird im richtigen Moment Druck aufgebaut oder Druck nachgelassen (Komfort – Diskomfort). Wie der Seminartitel „Positives Pferdetraining“ besagt, soll hier auf Druck gänzlich verzichtet werden. Hier wird keine negative Verstärkung praktiziert, sondern das Pferd wird für richtig gezeigtes Verhalten belohnt. Einige der zahlreichen Vorteile dafür sind zunächst, dass die Motivation des Tieres sehr hoch ist und es kein Druck oder Stress bei dem Pferd entsteht. Pferde lernen ständig. Durch die Belohnung hat sich für das Pferd die Mitarbeit gelohnt und es zeigt das gewünschte Verhalten häufiger. Wichtig ist auch, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd besser wird, da es genau verstehen kann, was es richtig gemacht hat. Die Belohnung ist ein Leckerli, wir haben kleine Äpfel- und Möhrenstücke genommen.

An dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob es so sinnvoll ist, dem Pferd ständig Leckerchen zu geben. Ich möchte nicht, dass mein Pferd mich nur noch als lebende Möhre ansieht. Wichtig ist deshalb, dass das Pferd nachvollziehen kann, wofür es ein Leckerlie gegeben hat. Wenn es einfach so eins zugesteckt bekommt, wird das betteln verstärkt. Das ist nicht das Ziel! Um jedoch das richtig gezeigte Verhalten zu belohnen, muss innerhalb von 2 Sekunden die Belohnung erfolgen. Das ist natürlich sehr kurz und in den Alltag kaum umsetzbar. Deshalb wird hier ein Hilfsmittel verwendet: Ein Clicker. Das Clickertraining kommt ursprünglich aus dem Training mit Delfinen, es wird häufig bei Hunden angewandt und funktioniert hervorragend bei Pferden.

Ein Clicker kann entweder dieses kleine Ding sein, dass man in der Hand hält oder auch ein immer gleich klingendes Geräusch oder Wort. Wir haben in unserem Seminar einen Clicker verwendet. Der Click-Ton markiert das gewünschte Verhalten genau in dem Moment. Das Pferd weiß sofort, dass genau das richtig war. Dadurch hat sich der Mensch etwas Zeit erkauft, um das Leckerli aus der Tasche zu holen und es dem Pferd zu geben.

Hört sich ja schonmal gut an, aber wie funktioniert das in der Praxis? Zunächst muss das Pferd den Clicker verstehen durch operante Konditionierung. Das Pferd muss also verstehen, dass es nach jedem Clickern ein Leckerli erhält. Zunächst wird dafür ein Zielobjekt, Target, benötigt. Wir haben dafür eine Fliegenklatsche verwendet. Immer wenn das Pferd mit der Nase die Klatsche berührt hat, gab es einen Click und ein Leckerli. Die Pferde hatten schnell raus, immer wieder die Nase richtig zu positionieren. Nach einigen Wiederholungen kann man die Fliegenklatsche auch bewegen und schauen, ob das Pferd sich zu ihr bewegt, um wieder eine Belohnung zu erhalten. Wichtig ist dabei, dass immer nur kurze Übungssequenzen durchgeführt werden und dem Pferd eine Pause durch einfaches Führen z. B. gegönnt wird, da dies eine ungewohnte und anstrengende Lernmethode für Pferde ist. Vor allem als Zuschauer konnte ich sehen, wie es in den Köpfen der Pferde ratterte, sie mussten richtig mitdenken! Das Anregen genau dieser aktiven Kopfarbeit der Pferde finde ich an diesem Training besonders gut.

Nachdem die Pferde das Clickern verstanden haben, haben wir weitere Übungen, alle vom Boden aus begonnen. die weiteren Übungen richteten sich auch nach den Vorlieben der Pferde und Interessen der dazugehörigen Menschen. Es wurde z. B. das Rückwärtsrichten geübt, der Spanische Schritt, das Kommen auf Ruf oder auch „Nasenballspielen“. Die Erklärung mit Bildern folgt noch in weiteren Artikeln.

Als die 2 Tage vorbei waren rauchten den Pferden und uns die Schädel, aber wir waren glücklich! Wir hatten den Eindruck, dass es den Pferden auch sehr viel Spaß gemacht hat (einige wollten die Halle gar nicht mehr verlassen!). In den Pferdealltag habe ich das Seminar bislang so übertragen, dass ich etwa einmal die Woche einen „Spieleabend“ mit meinem Pferd mache, in dem ich einige Übungen nachspiele. Den Clicker habe ich aber immer in der Jackentasche und es gibt ein Leckerli nur noch auf den Click hin, wenn das Pferd mir z. B. beim von der Weide holen ein Stück entgegengekommen ist. Wir planen im Sommer einen weiteren Kursus auf unserem Hof und ich bin schon ganz gespannt!