Foto von Hol­ly Brown

Pfer­de sind kei­ne Maschi­nen, son­dern Lebe­we­sen mit Gefüh­len und Stim­mun­gen. Des­halb kann ein Rei­ter auch nicht erwar­ten, dass sein Pferd jeden Tag gleich reagiert. Um die Tages­form des Pfer­des ein­zu­schät­zen ist es sinn­voll erst­mal ruhi­gen Übun­gen zu machen, die das Pferd kennt. Am Bes­ten vom Boden aus, da man das Tier dann bes­ser im Blick hat. Z. B. kann das Fri­end­ly Game gespielt wer­den oder das Pferd ein paar Minu­ten lon­gie­ren (dies natür­lich stets mit Rich­tungs­wech­sel, um bei­de Sei­ten gleich zu belas­ten).

Dabei ist auf Fol­gen­des zu ach­ten:

  • Kon­zen­triert sich das Pferd auf mich oder ist es von jeder äuße­ren Klei­nig­keit abge­lenkt?
  • Erschrickt es viel­leicht und springt zur Sei­te?
  • Will es direkt los­ren­nen?
  • Krie­ge ich das Pferd kaum vor­wärts?

Ein sol­ches Durch­che­cken­er­for­dert nur etwa 2–5 Minu­ten und kann die Arbeit erheb­lich erleich­tern, da die Trai­nings­ein­heit der Stim­mung ange­passt wer­den kann.

Jetzt ist jedoch eine wei­te­re Sei­te zu beleuch­ten: Der Rei­ter selbst. Er ist eben­falls kei­ne Maschi­ne und somit ein Lebe­we­sen mit Gefüh­len und Stim­mun­gen. Je nach Cha­rak­ter und Nei­gung des Pfer­des reagie­ren sie dar­auf. Dies kann zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwie­rig­kei­ten zwi­schen Pferd und Rei­ter füh­ren. Hier 2 Bei­spie­le aus mei­ner Pra­xis.

Mit dem Part­bred-Ara­ber Jim­my übe ich seit kur­zem mit der Hil­fe von geziel­tem Reit­un­ter­richt an der Bil­dung von Rücken­mus­keln und der Gym­nas­ti­zie­rung. Er ist ein extro­ver­tier­ter Wal­lach, der sich leicht zur Mit­ar­beit begeis­tern lässt. Außer letz­te Woche Don­ners­tag. Er wirk­te auf mich total unwil­lig, woll­te sich nicht bie­gen und wider­setz­te sich all mei­nen Hil­fen. Mei­ne Lau­ne wur­de immer schlech­ter (sei­ne auch!). Nach eini­ger Zeit über­leg­te ich, wor­an das lie­gen könn­te und kam zu fol­gen­dem Schluss: Es ist mei­ne Schuld! Ich hat­te mir die Zeit zum Rei­ten in einen vol­len Ter­min­ka­len­der rein­ge­quetscht und bin mit hohen Erwar­tun­gen in die Ein­heit gegan­gen. Des­halb stand ich total unter Stress. Ich habe das zunächst nicht bemerkt — dafür Jim­my umso mehr. Als mir das klar wur­de, habe ich sofort die Kon­se­quenz dar­aus gezo­gen, indem ich mit dem Trai­ning auf­ge­hört habe. Wir haben einen klei­nen ruhi­gen Aus­ritt gemacht und uns freund­lich von­ein­an­der ver­ab­schie­det.

Am nächs­ten Tag hat­te ich alle Ter­mi­ne erle­digt, sat­tel­te das Pferd und es klapp­te alles einwandfrei!Wir hat­ten eine tol­le Reit­ein­heit, in der ich ent­spannt war und Jim­my total bereit­wil­lig alles mit­ge­macht hat.

Ein total gegen­sätz­li­ches Bei­spiel sind mei­ne Erleb­nis­se mit der Haf­lin­ger­stu­te Char­lot­te. Wenn ich müde und kaputt bin, brau­che ich gar nicht ver­su­chen, mit ihr in der Hal­le oder auf dem Reit­platz sinn­voll zu trai­nie­ren. Mei­ne Stim­mung über­trägt sich auf die intro­ver­tier­te, gemüt­li­che Stu­te in der Form, dass wir Schleif­spu­ren mit ihren Hin­ter­hu­fen hin­ter­las­sen. Wenn ich also mer­ke, dass ich nicht moti­viert bin, gehe ich lie­ber mit ihr eine Run­de ins Gelän­de oder mache eini­ge Spie­le vom Boden aus.

Also lie­be Rei­ter, gebt nicht gleich dem Pferd die Schuld, son­dern über­legt, ob es nicht auch an euch lie­gen könn­te. Habt ihr ähn­li­che oder viel­leicht ganz ande­re Erfah­run­gen gemacht?