Foto von Bejing Patrol

Es gibt viel Literatur und Seminarangebote zum Thema Kommunikation und Körpersprache. Für mich fallen in diese Kategorie unter anderem auch Schlagwörter wie: Moderation, Mediation, Konflikttraining, Selbstbehauptung. Jetzt mag sich der aufmerksame Pferdecampus-Leser fragen, was denn eine verbale erfolgreiche Kommunikation unter Menschen mit der Kommunikation von Mensch zu Pferd zu tun hat, da Pferde bekannterweise keine menschlichen Wörter nutzen.

Interessant ist dazu folgende Zahl aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Informationsaustausch unter Menschen: Lediglich 20 % der Information wird verbal übertragen! Die restlichen 80% erfolgen über die nonverbale Kommunikation. Bausteine dieser nonverbalen Kommunikation sind:

  • Gestik
  • Mimik
  • Blickkontakt
  • Gang
  • Distanz
  • Stimme

Im Hinblick darauf, dass wir einfach immer Informationen von uns preisgeben („Man kann nicht nicht kommunizieren“, Paul Watzlawick) und unsere Körpersprache und äußere Erscheinung 80 % der Informationen weitergibt, die wir präsentieren, sollten wir uns klar machen, was wir mit unserer nonverbalen Kommunikation ausdrücken.

Körpersprache ist eine universelle Sprache. Diese wirkt sowohl auf unser menschliches als auch auf unser tierliches Umfeld.

Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: In der Praxis kommt es jedoch häufig zu Missverständnissen. Manche fühlen sich schnell bedrängt und in die Enge getrieben, weil ihnen ihr gegenüber zu Nahe tritt, somit ungewünscht in den persönliche Distanzbereich eindringt. Bei der Ursachenforschung könnte sich herausstellen, dass die Körpersprache der betreffenden Person einfach so „einladend“ ist, dass andere Personen diese Barriere gar nicht erkennen können.

Jeder, der klarer und überzeugender in seiner Körpersprache werden möchte, muss somit zunächst erkennen, welche Elemente und Haltungen wie wirken und wie man diese gezielt einsetzen und nutzen kann. Anschließend muss man selbst erkennen, wie die eigene Wirkung ist und wie diese bewusst gesteuert werden kann.

Ich möchte damit nicht bezwecken, dass alle Menschen nur noch vor Selbstbewusstsein strotzen und immer eine Omni-Präsenz ausstrahlen. Es muss stets zur eigenen Persönlichkeit passen. Wir sind alle verschieden, die einen extrovertierter, die anderen lieber etwas bedächtiger in sich gekehrt. Ich möchte mit diesem Artikel vielmehr dafür werben, dass sich jeder seiner Körpersprache bewusster wird und überprüft, ob die Wirkung mit der inneren Haltung übereinstimmt (Kongruenz). Weiterhin ist es für viele Lebensbereiche von großem Vorteil, die Bausteine der Körpersprache bewusst einsetzen zu können, sei es bei einem schwierigen Gespräch mit deiner Chefin, in der du deinen Standpunkt vertreten musst, einer Diskussion in einer Warteschlange an der Kasse oder bei der Diskussion mit deinem Pferd, ob die Brücke wirklich überschritten werden soll.

Wenn wir dann jetzt alle non-verbale Profis geworden sind, wird sich etwas zeigen: Unsere Pferde verstehen uns noch viel besser! Dadurch erlangen die Pferde mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit, da sie uns besser einschätzen können.

Da die Pferde so intensiv mit ihrer Körpersprache kommunizieren, müssen wir uns auch damit intensiv beschäftigen. Es gibt natürlich auch viel Literatur mit Bildern, die das Ohrenspiel, Dohgebärden und den Blick eines zufriedenen Pferdes beschreiben, jedoch finde ich es am wirkungsvollsten, einfach durch Beobachtungen zu lernen. Verbringt einfach Zeit auf der Weide oder dem Paddock und schaut, wie die Pferde miteinander umgehen. Wer schickt wen? Reicht ein schiefer Blick oder Wedeln des Schweifes? Welche unterschiedlichen Reaktionen zeigen verschiedene Pferde? Wie sieht das Pferd in entspannter Grundhaltung aus?

All diese Beobachtungen und Erkenntnisse, die daraus zu schließen sind, können sehr nützlich sein. Es können so manche kritische Situationen gemeistert werden, wenn der Besitzer weiß, wie viel Stress oder Angst sein Pferd gerade hat.

Körpersprache und Kommunikation ist ein so großer und spannender Themenbereich, dass ich noch eine Weile schreiben könnte. Jedoch interessiert mich vielmehr, wie ihr damit umgeht. Habt ihr an Seminaren für Mensch und/oder Pferd teilgenommen? Hat es euch den Pferden nähergebracht? Ich freu mich auf eure Berichte!