Eine Fol­ge aus der Errich­tung eines Bewe­gungs­stalls auf unse­rem Hof war es, eine neue Pfer­de­trup­pe zusam­men­zu­stel­len. Die­ser Arti­kel ist nicht aus­schließ­lich für Bewe­gungs­stal­ler inter­es­sant. Das The­ma einer Her­den­zu­sam­men­füh­rung oder der Inte­gra­ti­on eines neu­en Mit­glieds ist in jeder Hal­tungs­form ein wich­ti­ges The­ma. War­um? Pfer­de sind Her­den­tie­re. Ein tol­ler Satz, der sich leicht schreibt. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass man ein­fach Pfer­de zusam­men­stel­len kann und dadurch eine Wohl­fühl­ga­ran­tie hat. Pfer­de wol­len alle ihre Grund­be­dürf­nis­se für eine art­ge­rech­te Pfer­de­hal­tung sichern und auch einen gewis­sen Stand in der Her­de („Rang­ord­nung”) beklei­den. Die Dis­kus­si­on der Pfer­de über ihren Stand­punkt spielt sich im gegen­sei­ti­gen Bewe­gen und Platz ver­schaf­fen ab. Bei man­chen mögen ein böser Blick und ange­leg­te Ohren rei­chen, jedoch kom­men dabei auch häu­fig Zäh­ne oder Hufe ins Spiel. Das ist ein ganz natür­li­ches Ver­hal­ten, jedoch birgt es ein gro­ßes Ver­let­zungs­ri­si­ko. Wenn eini­ge Vor­sichts­maß­nah­men beach­tet wer­den, kann das Risi­ko ver­min­dert wer­den. Nach mei­nen Erfah­run­gen und Beob­ach­tun­gen hat sich Fol­gen­des bewährt:

  1. Das neue Pferd/die neu­en Pfer­de für eini­ge Tage auf ein benach­bar­tes Pad­dock stel­len. Dadurch haben alt und neu die Gele­gen­heit, sich zu betrach­ten, sich somit vom Sehen her zu ken­nen. Die neu­en Pfer­de kön­nen sich so schon­mal an die neue Umge­bung gewöh­nen, ohne dem „Grup­pen­druck” und damit den Behaup­tun­gen um Fut­ter, Was­ser und Pfer­de­freun­de mit den alten Hasen aus­ge­setzt zu sein. Wenn das neue Pferd/die neu­en Pfer­de nach ein paar Tagen zur neu­en Her­de gelas­sen wird, ist zwar zunächst eine all­ge­mei­ne Unru­he und Auf­re­gung zu beob­ach­ten, jedoch legt sich die­se recht schnell wie­der.
  2. Um das Ver­let­zungs­ri­si­ko zu min­dern, habe ich mein Pferd stets vor den Zusam­men­füh­run­gen ein paar Minu­ten warm geführt. So muss­te sie beim Toben kei­nen Kalt­start hin­le­gen und die Seh­nen und Mus­keln waren bes­ser geschützt.
  3. Ein ver­mehr­tes Rau­fut­ter­an­ge­bot bie­ten (Gras fällt ja bei den meis­ten jah­res­zeit­be­dingt weg). Dadurch fällt die Auf­merk­sam­keit der Pfer­de nach eini­ger Zeit wie­der dem Fut­ter zu. Jedoch unbe­dingt dran den­ken, nicht nur eine Rau­fe zu bie­ten, son­dern das Heu auf meh­re­re Sta­tio­nen ver­tei­len, damit auch die Neu­zu­gän­ge eine Chan­ce auf Fut­ter­auf­nah­me haben. Das Kau­en ist für die Pfer­de auch ein Stress­ab­bau.
  4. Die bes­te Idee fin­de ich jedoch, dass nicht ein ein­zel­nes Pferd in die Her­de inte­griert wird, son­dern nach Mög­lich­keit im Dop­pel­pack. Dadurch wird die Auf­merk­sam­keit der bestehen­den Her­de auf­ge­teilt und es wird nicht so schnell Einer als Sün­den­bock gejagt und getriezt.

Aber: Das gan­ze steht und fällt jedoch mit den ein­zel­nen Pfer­de- und Pony­cha­rek­te­ren. Schwie­rig fin­de ich es, wenn einer dabei ist, der ande­re Pfer­de­kol­le­gen in die Ecke drängt und die­se prü­gelt ohne Erbar­men. Dies habe ich schon mehr­fach bei man­chen Island­pfer­den beob­ach­tet, jedoch auch bei einem Warm­blü­ter, der vie­le Jah­re sei­nes Lebens in „Einzelhaft”-24 h-Box stand. Offen­sicht­lich hat dadurch das Sozi­al­ver­hal­ten deut­lich gelit­ten. Wenn die­ser Fall ein­tritt, kann zunächst ver­sucht wer­den, die Ecken abzu­run­den, so dass immer eine Flucht­mög­lich­keit für den Gejag­ten besteht. Wenn dies die Situa­ti­on noch nicht ent­schärft, muss der Unru­he­stif­ter die Her­de ver­las­sen, bevor ein ande­res Pferd ernst­haft ver­letzt wird. Das zeigt mir ein­mal mehr, wie schlimm eine Ein­zel­hal­tung für Pfer­de, sei es, weil sie als Hengs­te ein­zeln gehal­ten wer­den müs­sen oder es doch noch eine ganz­tä­gi­ge Boxen­hal­tung gibt.

Wie sind eure Erfah­run­gen in der Her­den­zu­sam­men­füh­rung?