Foto von Mike Baird

Wie ich es vor kur­zem schon im Arti­kel über Arthro­se erwähnt habe, wird auf unse­rem Hof gera­de ein Bewe­gungs­stall errich­tet. Die­se Hal­tungs­form ist auch unter dem Begriff Aktiv­stall bekannt. Es leben dabei eine Grup­pe von 15–20 Pfer­den den gan­zen Tag auf der Anla­ge zusam­men und kön­nen sich auf dem ein­ge­zäun­ten Bereich frei bewe­gen. Auf dem Gelän­de sind fol­gen­de „Attrak­tio­nen“ zu fin­den: ein gro­ßer Offen­stall als Ruhe­be­reich, eine Kraft­fut­ter­sta­ti­on, eine Heu­sta­ti­on, an der die Pfer­de jeweils ein­zeln fres­sen kön­nen und eine Heu­sta­ti­on für gemein­schaft­li­ches Fres­sen. Die jewei­li­ge Fut­ter­men­ge wird für jedes Pferd ein­zeln ein­ge­stellt und in einen Mikro­chip pro­gram­miert, der in die Mäh­ne ein­ge­floch­ten wird.

Die­se Hal­tungs­form ermög­licht eine art­ge­rech­te Pfer­de­hal­tung. Wodurch?

1. Lauftier

Das Pferd ist zu kei­ner Zeit des Tages in einer Box „fixiert“, das Pferd kann sich in die Ruhe­hal­le bege­ben, um sich vor Son­ne oder Regen zu schüt­zen. Das Pferd kann also selbst ent­schei­den, wann es den Stall auf­su­chen und wie­der ver­las­sen möch­te. Dadurch wird das Grund­be­dürf­nis erfüllt sich vie­le Stun­den am Tag zu bewe­gen.

2. Dauerfresser

In den meis­ten Hal­tungs­for­men ist es gar nicht anders mög­lich, als dem Pferd 2 x täg­lich eine ver­hält­nis­mä­ßig gro­ße Por­ti­on Fut­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len. In frei­er Wild­bahn wür­den die Pfer­de über den Tag ver­teilt klei­ne Por­tio­nen fres­sen. In der Anla­ge eines Bewe­gungs­stalls wer­den dem Pferd vie­le klei­ne Füt­te­rungs­ein­hei­ten ermög­licht. Dadurch ist das Pferd immer beschäf­tigt und zufrie­den, da gera­de zu gro­ße Füt­te­rungs­pau­sen Aggres­sio­nen unter­ein­an­der aus­lö­sen kön­nen. Dies regt auch die Ver­dau­ung an und es ver­min­dert die Gefahr einer Kolik.

3. Herdentiere

Die Her­de ist für die Pfer­de ein fes­ter Fami­li­en­ver­bund und es bestehen oft enge Freund­schaf­ten. Durch die­se Hal­tung sind die Pfer­de 24 Stun­den zusam­men und die stän­di­gen Sozi­al­kon­tak­te sind gesi­chert. Außer der Mensch kommt auf die Idee, das Pferd zu ent­füh­ren, um zu rei­ten! 😉

4. Wächter

Pfer­de haben ger­ne ihre gan­ze Umge­bung im Blick. Dadurch, dass ihnen kei­ne Boxen- oder Stall­tür die Sicht ver­sperrt, kön­nen sie ihre Bli­cke frei schwei­fen las­sen. Dadurch kön­nen sie alle ihre Sin­nes­or­ga­ne nut­zen und sol­len weni­ger schreck­haft wer­den (ich bin gespannt, ob das wirk­lich zutrifft!)

5. Klimawunder

Pfer­de sind kei­ne Men­schen. „Ach so“, wer­det ihr jetzt sagen. Aber man­chen Pfer­de­be­sit­zer soll­te man immer mal wie­der dran erin­nern. Ich sit­ze bei unge­müt­li­chem Wet­ter ger­ne in eine Decke ein­ge­ku­schelt vor dem Kamin. Mein Pferd woll­te da bis­lang ein­fach nicht mit­ma­chen! Ist es bei euch anders? Pfer­de sind ger­ne drau­ßen und kön­nen sehr gut Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen aus­hal­ten. Dies bewirkt sogar, dass sie eine sta­bi­le­re Kon­sti­tu­ti­on bekom­men. Vie­le Pfer­de kön­nen pro­blem­los auf eine Robust­hal­tung umge­stellt wer­den. Natür­lich kann ich es nicht pau­schal für alle sagen, man­che Pfer­de benö­ti­gen viel­leicht eine All­wet­ter­de­cke.

6. Frischlufter

Da Pfer­de ein emp­find­li­ches Atem­or­gan haben, ist es bes­ser, wenn sie drau­ßen gehal­ten wer­den kön­nen. Die Staub­be­las­tung ist dadurch wesent­lich gerin­ger, in der Fol­ge dar­aus könn­te es weni­ger Atem­pro­ble­me geben.

Zusam­men­fas­send fin­de ich die­se Hal­tungs­form über­zeu­gend!

Dies war der ers­te Teil einer Serie von Arti­keln über unse­ren Bewe­gungs­stall. In Kür­ze wer­de ich wei­ter berich­ten und hof­fent­lich auch Fotos bei­fü­gen kön­nen.